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Publikum absolviert erfolgreich Jiddisch-Kurs

Kabarett Max Erben präsentiert Lieder und Texte

Hans-Willi Kempenich

Niederzissen. Sanfte Lieder mit feinsinnigen Texten, aber auch Anekdoten mit hintergründigem Humor standen in der ehemaligen Synagoge auf dem Spielplan. Zu Gast war Max Erben, der mit seinem Programm „Amól is gewesen“ an die große Tradition des jiddischen Kabaretts anknüpft. Und das an einem besonderen Tag und einem ganz besonderen Ort, exakt 75 Jahre nach der Pogromnacht, als auch die Niederzissener Synagoge von den Nazis schwer geschändet wurde.

Max Erben

Lieder und Texte in jiddischer Sprache präsentierte Max Erben in der ehemaligen Synagoge. Foto: Kempenich

Jiddisches Kabarett geht natürlich nur in Jiddisch. Doch Erben nahm seinen Zuhörern gleich die Scheu vor den ungewohnten Tönen: „Man versteht nachher immer mehr.“ Denn das vor dem Zweiten Weltkrieg von mehr als zehn Millionen Menschen zwischen Baltischem und Schwarzem Meer gesprochene Jiddisch ist nichts anderes als das Deutsch der seit dem 13. Jahrhundert nach Osteuropa vertriebenen deutschen Juden, das dort in fremder Umgebung und isoliert vom übrigen deutschen Sprachraum eine eigene Weiterentwicklung durchlief. Wobei das Satzgerüst immer Deutsch ist, Sinn tragende Wörter aber oft dem Hebräischen oder slawischen Sprachen entstammen.

Erben sollte recht behalten: Nach einem kurzen Einführungskurs absolvierte das Publikum bald erfolgreich das Seminar „Jiddisch für Fortgeschrittene“, was dessen Reaktionen auf die Lieder, Gedichte und Geschichten belegten. Die Texte fanden Zugang, die Pointen saßen. Da lachte man über die zu ehrgeizigen Eltern, die in ihrem Geige spielenden Jüngelech gleich einen Virtuosen sehen wollten, und schmunzelte über die naiv gläubigen Anhänger der osteuropäischen Rabbiner. Die Zuhörer teilten die Freude an den Festen und Feiern des Städtl, aber auch die Trauer bei dem Gedanken, dass ebendiese Welt des osteuropäischen Judentums für immer ausgelöscht ist.

Max Erben wurde 1942 in Metz, Frankreich, geboren, machte in Deutschland Abitur und studierte in Köln Germanistik und Romanistik. Seit den 70er-Jahren tritt er als Musiker an die Öffentlichkeit, zunächst mit französischer Folklore, später beschäftigte er sich intensiv mit der musikalischen Liedtradition des osteuropäischen Judentums. Er hatte Auftritte in Deutschland, Belgien und Israel und machte 1987 eine erste Langspielplatte mit jiddischer Folklore, inklusive Rundfunk- und Fernsehaufnahmen.

Rhein Zeitung Bad Neuenahr-Ahrweiler vom Dienstag, 12. November 2013, Seite 16

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